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Informationen
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Ausgewählte Erkrankungen: Cushing-Syndrom
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Cushing-Syndrom Epidemiologie
und Klassifikation Das endogene
Cushing-Syndrom ist eine seltene Erkrankung mit einer Inzidenz von
1:200.000 bis 1:400.000 pro Jahr. Prinzipiell muss zwischen den ACTH-abhängigen
und den ACTH-unabhängigen Formen des organischen Cushing-Syndroms
unerschieden werden.
Die ACTH-abhängige
Formen werden ausgelöst durch:
Demgegenüber
liegt bei den ACTH-unabhängigen Formen eine primäre Erkrankung der
Nebenniere(n) vor:
Neben dem
klassischen Cushing-Syndrom wurde in den letzten Jahren das sogenannte präklinische
bzw. subklinische Cushing-Syndrom als eigenständiges Krankheitsbild
beschrieben. Hierbei handelt es sich um einen Glukocortikoidüberschuss
auf dem Boden eines Nebennierenadenoms ohne die typische klinische
Symptomatik des Cushing-Syndroms. Die Häufigkeit dieses Krankheitbildes
soll 5-10fach höher als die des klassischen adrenalen Cushing-Syndroms
sein.
Endokrinologische
Diagnostik Richtungsweisende
Befunde sind die vermehrte Ausscheidung von Cortisol im 24-Stunden-Urin
sowie die aufgehobene Cortisoltagesrhythmik. Die Diagnose wird durch eine
fehlende Supprimierbarkeit des Cortisolspiegels im Dexamethasonhemmtest
bewiesen. Zur Differenzierung
zwischen dem adrenalen und dem ACTH-abhängigen Cushing-Syndrom wird der
ACTH-Spiegel bestimmt. Ist er supprimiert, so spricht dies für ein adrenales
Cushing-Syndrom. Weitere Sicherheit kann durch den CRH-Test gewonnen werden.
Ist ACTH auch durch die Gabe von CRH nicht stimulierbar, so ist die adrenale
Ursache der Erkrankung bewiesen. Des weiteren zeigt die fehlende Stimulierbarkeit
der ACTH-Sekretion im CRH-Test an, dass die gesunde Nebenniere atrophiert
ist, so dass nach Entfernung der betroffenen Nebenniere mit einer längerfristigen
Substitutionspflichtigkeit von Glucocorticoiden gerechnet werden muss.
Bildgebende
Diagnostik Beim adrenalen
Cushing-Syndrom, dem ein benignes Nebennierenrindenadenom oder ein
Nebennierenrindenkarzinom zugrunde liegt, gelingt der Nachweis der
Raumforderung fast immer. Methode der Wahl
ist die Computertomographie. Adenome und Karzinome lassen sich hier nahezu
immer darstellen und mitunter schon durch Größe und Morphologie in benigne
oder maligne differenzieren. Außerdem können gleichzeitig gewisse Hinweise
auf eine Atrophie der kontralateralen Nebenniere gewonnen werden. Ebenso
ist die Darstellung der bilateralen makronodulären Nebennierenrindenhyperplasie
unproblematisch, während sich mikronoduläre Hyperplasien dem Nachweis
mittels bildgebender Diagnostik entziehen können. Das Cushing-Syndrom
ist unbehandelt eine tödliche Erkrankung. Ohne Therapie versterben innerhalb
von 5 Jahren ca. 50% der Patienten. Eine längerfristige medikamentöse
Therapie ist insofern nur bei Patienten mit einem inakzeptabel hohem Operationsrisiko
zu rechtfertigen. Besteht ein adrenales
Cushing-Syndrom aufgrund eines cortisolbildenden Nebennierenrindenadenoms
oder -karzinoms, so ist die vollständige Entfernung der betroffenen Nebenniere
die kausale Therapie. Beim
subklinischen Cushing-Syndrom ist die Indikation zur Entfernung der
zugrundeliegenden Inzidentalome umstritten und derzeitig Gegenstand von
Studien. Die Behandlung
der seltenen ACTH-unabhängigen primären Nebennierenhyperplasie erfolgt
durch die vollständige beidseitige Adrenalektomie. Präoperative
Vorbereitung der Patienten Das operative
Risiko von Patienten mit einem Cushing-Syndrom ist hoch und wird häufig
falsch eingeschätzt. Die metabolischen und kardiovaskulären Störungen
dieser Patienten müssen präoperativ so weit wie möglich normalisiert
werden.Dies betrifft insbesondere den Elektrolythaushalt. Vor allem eine
Hypokaliämie ist zu beseitigen. Ebenso müssen die bei den meisten
Patienten bestehende Hypertonie und die diabetische Stoffwechsellage so
weit wie möglich korrigiert werden. Zusätzlich
haben Patienten mit einem Cushing-Syndrom ein erhöhtes Risiko, im
perioperativen Verlauf thromboembolische Komplikationen zu erleiden,
weshalb eine präoperativ begonnene sorgfältige Thromboseprophylaxe bei
diesen Patienten besonders wichtig ist. Der Prädisposition
für Infektionen durch den Hypercortisolismus sollte mit einer
perioperativen Antibiotikaprophylaxe begegnet werden. Operation und
postoperatives Management Das Nebennierenrindenadenom
oder -karzinom wird durch die Entfernung der betroffenen Nebenniere therapiert.
Die Nebennierenrindenhyperplasie erfordert die vollständige bilaterale
Adrenalektomie. Peri- und
postoperativ ist die Substitution von Glukocortikoiden erforderlich. Die
Erholung der Nebennierenfunktion nach einseitiger Adrenalektomie wegen
eines adrenalen Cushing-Syndroms kann mehr als ein Jahr dauern. Nach
beidseitiger Adrenalektomie ist die lebenslange Substitution von
Glukocortikoiden und oft auch von Mineralocorticoiden erforderlich. Die
Patienten müssen darauf hingewiesen werden, dass die Substitutionsdosis
in Stresssituationen erhöht werden muss. Sie sollten einen entsprechenden
„Steroidausweis“ bei sich tragen. Während der
Adrenalektomie können Nachbarorgane verletzt werden. Bei der
linksseitigen Adrenalektomie sind dies insbesondere das Pankreas und die
Milz, auf der rechten Seite Leber und Duodenum. Wichtiger als die seltenen
Verletzungen parenchymatöser Organe sind Gefäßverletzungen, die
insbesondere beim minimal-invasiven Vorgehen rasch zu unübersichtlichen
Verhältnissen führen können. Auf der linken Seite können die Nierengefäße
verletzt werden, während bei der rechtsseitigen Adrenalektomie
insbesondere die Vena cava inferior gefährdet ist.
Gerade für
Patienten mit einem adrenalen Cushing-Syndrom benigner Ursache eignen sich
die minimalinvasive Operationstechniken in besonderer Weise. Wegen der
Stammfettsucht sind beim konventionellen Vorgehen oft relativ große
Inzisionen erforderlich. Zudem besteht bei diesen Patienten aufgrund der
vermehrten Cortisolproduktion ein erhöhtes Risiko für Wundheilungsstörungen. Die endoskopische
Adrenalektomie gilt in entsprechend erfahrenen Zentren daher bei diesem
Krankheitsbild als das Verfahren der Wahl. Wird ein
konventionelles Verfahren gewählt, bietet sich der dorsale Zugang durch
das Bett der 12. Rippe an, da hierbei die postoperative Darmatonie
vermieden werden kann.
Nach ein- bzw.
beidseitiger Adrenalektomie bei Patienten mit einem
Nebennierenrindenadenom bzw. einer bilateralen Nebennierenhyperplasie kann
das Cushing-Syndrom sicher und dauerhaft beherrscht werden. Im Laufe
weniger Wochen verschwinden die metabolischen Veränderungen und die
Muskelschwäche. Die Normalisierung des Blutdrucks, der Hautveränderungen
und des Hirsutismus kann deutlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Dies
gilt insbesondere bis zum vollständigen Verschwinden des Übergewichts
und der Fettverteilungsstörung, was bis zu einem Jahr dauern kann.
Die
Operationssterblichkeit beträgt heutzutage weniger als 3%. Das Langzeitüberleben
der Patienten kann unter anderem durch die Möglichkeit einer
Addison-Krise bei unzureichender Steroidsubstitution beeinträchtigt
werden. Aus diesem Grund haben Patienten mit einem Nebennierenrindenadenom
als Ursache ihres Cushing-Syndroms die beste Prognose. Ihre
Lebenserwartung differiert nur unwesentlich von der eines
altersentsprechenden gesunden Vergleichskollektivs. Die Prognose von
Patienten nach vollständiger Adrenalektomie wegen einer bilateralen
Nebennierenrindenhyperplasie ist schlechter.
Adrenalektomie
beim Morbus Cushing (hypophysäres Cushing-Syndrom) Die
neurochirurgische Entfernung des ACTH-produzierenden Hypophysenadenoms ist
zur Behandlung des Morbus Cushing die Therapie der Wahl. Im Gegensatz
zu den neurochirurgischen Eingriffen an der Hypophyse lässt sich der Hypercortisolismus
nach einer vollständige bilateralen Adrenalektomie zuverlässig und dauerhaft
beherrschen. Allerdings bilden sich die Symptome langsamer zurück als
beim Cushing-Syndrom mit primär adrenalem Ursprung und es verschwinden
nicht immer alle Symptome vollständig. Die Mortalität
ist etwas höher als bei Operationen wegen eines adrenales
Cushing-Syndroms. Sie wird in der Literatur mit 4-7 % angegeben. Auch hier
scheinen sich mit den minimal-invasiven Techniken bessere Ergebnisse
erzielen zu lassen. Die
Langzeitprognose ist bei diesen Patienten im Vergleich zu Patienten mit
einem Cushing-Syndrom aufgrund eines Nebennierenrindenadenoms schlechter.
Die Ursachen für den vorzeitigen Tod dieser Patienten sind in erster
Linie kardiale Erkrankungen. Weitere wesentliche Gründe sind
Addison-Krisen und die Folgen des Nelson-Syndroms. Peri-
und postoperative Substitutionstherapie Die
Substitution von Gluko- und Mineralocortikoiden erfolgt in gleicher Weise
wie bei Patienten, die wegen eines ACTH-unabhängigen Cushing-Syndroms
einer beidseitigen Adrenalektomie bedürfen.
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